"Gegen die Zeit - Für das Leben"

ADAC Christoph 8

29.10.2014



Sie sind in ganz Deutschland gut bekannt: Die fliegenden Retter des ADAC. Wo immer sie einschweben dauert es meistens nicht lange, bis sich Interessierte (leider oft genug auch sensationslüsterne Gaffer) am Landeplatz einfinden. Nicht immer zur Freude der Crews, denen sogar schon Teile vom Hubschrauber abhanden gekommen sein sollen…

Doch wie läuft der Betrieb einer Hubschrauber-Station der ADAC Luftrettung GmbH ab? Wer sind die Besatzungen und das Personal im Cockpit? Dank freundlicher Unterstützung der Crew von Christoph 8 am St. Marien-Hospital in Lünen nahe Dortmund konnte ich diesen Fragen nachgehen. Eines wird dabei schnell klar: Ein leichter Job ist der Alltag einer Besatzung im Luftrettungsdienst nicht.

Der letzte goldene Herbsttag hatte sich am Vorabend verabschiedet, am Morgen der Ankunft an der Station von Christoph 8 ist das Wetter grau in grau. Die Crew, bestehend aus Pilot, Notarzt und Rettungsassistenten, bereitet sich mit einem Frühstück auf den Tag vor. Der mit zwei Turbinen ausgestattete Hubschrauber vom Typ Eurocopter EC 135 P2 steht währenddessen bereits einsatzklar auf dem Rollwagen im Hangar. Der EC 135 wird in vielen Ländern weltweit im Luftrettungsdienst, bei der Polizei und dem Militär eingesetzt, in Deutschland besteht ein Großteil der Luftrettungsflotte aus dem EC 135. Dass Christoph 8 mit dem Kennzeichen Delta Hotel Oscar Foxtrott Foxtrott (D-HOFF) bereits 12 Jahre im Dienst ist sieht man ihm nicht an. Innerhalb des Einsatzradius von bis zu 70 Kilometern kann der Hubschrauber mit einer Geschwindigkeit von ca. 230Km/h in wenigen Minuten sein Ziel erreichen. 


       

       



Das Luftrettungszentrum am St. Marien-Hospital feierte im Sommer 2014 anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Station einen Tag der offenen Tür. In der hochkomplexen Zentrale, in der viele Fäden zusammenlaufen, müssen nicht nur die medizinischen Bestände und Geräte überprüft werden. Die Ausstattung von Christoph 8 steht einer Intensivstation am Boden kaum in etwas nach. Aber es ist auch reichlich Büroarbeit vorhanden, welche zwischen, und vor allem nach, den Einsätzen erledigt wird. Der Umgangston untereinander ist dabei informell und kollegial, nicht selten werden sich gegenseitig „Sprüche gedrückt“.

Wie brüchig diese trügerische Ruhe ist zeigt sich gegen Mittag, als die Alarmmelder der Crew einen Einsatz ankündigen. Von ausbrechender Hektik ist bei der Alarmierung nichts zu spüren. Es ist vielmehr ein zügiges Abspulen von in Fleisch und Blut übergegangenen Abläufen. Innerhalb von drei Minuten ist Christoph 8 schließlich in der Luft. Den genauen Grund für den Einsatz kennt die Crew zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Eine knappe Stunde später landet Christoph 8 wieder. Die Crew sollte bei einer Reanimation helfen – dieses Mal leider ohne Erfolg...


       

   


Die Kombination aus lebensrettender Verantwortung und dem oft langen Warten auf den nächsten Einsatz macht diese Arbeit einzigartig und extrem anspruchsvoll. Nicht selten sorgt die Alarmierung dafür, dass das Essen in der Küche wieder kalt wird. Es ist gut möglich, dass der Rettungshubschrauber nach dem ersten Einsatz noch in der Luft zum nächsten Ziel angefordert wird und die heimische Station erst Stunden später wieder erreicht. Eines haben alle hier arbeitenden Menschen gemeinsam: Sie sind mit oft jahrelanger Erfahrung ausgestattete Experten auf ihrem jeweiligen Einsatzgebiet. Der Werdegang eines Piloten führt oft von der Bundeswehr oder Bundespolizei in das Cockpit eines Rettungshubschraubers. Als wären Hubschrauber, im direkten Vergleich mit Flugzeugen, nicht schon schwer genug zu beherrschen, stellt die Rettungsfliegerei die Crew immer wieder vor neue und unbekannte Herausforderungen. Das gilt natürlich auch für die an Bord mitfliegenden medizinischen Helfer.  

   

Herzlichen Dank an die Crew von Christoph 8 in Lünen für den beeindruckenden Blick hinter die Kulissen!




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