Phantom Pharewell
Abschied von der F4-F Phantom II

28. & 29.06.2013




Am letzten Juniwochenende lud das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ im ostfriesischen Wittmund zum Spotterday und einem Tag der offenen Tür ein. Gründe dafür gab es reichlich: Das Flugzeugmuster F4-F Phantom absolvierte am 29.06.2013 seine letzten Flüge und wurde symbolisch während des Flugprogramms von dem Eurofighter als Nachfolger abgelöst. Dieser wird ab dem 01.07.2013 in die Fußstapfen der Phantom treten.
Das Jagdgeschwader „Richthofen“ wird darüber hinaus ab dem 1. Oktober 2013 als „Taktische Luftwaffengruppe Richthofen“ dem Jagdgeschwader 31 in Nörvenich unterstellt.

Anlässlich der Außerdienststellung der F-4F Phantom beim JG 71 „R“ als letztem mit diesem Typ ausgestatteten Verband in Deutschland gab es auf dem Fliegerhorst viel zu sehen. Während des am Freitag stattfindenden Spotterday meinte es der Wettergott nicht gut. Dauerregen und stürmischer Wind machten den ca. 3.500 Fotografen die Motivsuche nicht gerade leicht. Es sollte sich als die richtige Entscheidung herausstellen, bereits gute zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn angekommen zu sein. Vom Parkplatz bis zum vorgesehenen Haltepunkt der Busse entwickelte sich eine scheinbar nicht enden wollende Menschenschlange…. Die angerückten Spotter nahmen teilweise sehr lange Anreisen in Kauf und kamen nicht nur aus den benachbarten europäischen Ländern wie Holland, Belgien, Frankreich und Italien sondern auch aus England, Polen, Australien, Brasilien, Japan und den Vereinigten Staaten.



       

       

   


Die McDonnell Douglas F-4 Phantom hob im Mai 1958 im amerikanischen St. Loius zu ihrem Jungfernflug ab. Der Erstflug jährte sich somit in diesem Jahr zum 55. Mal. In der deutschen Luftwaffe wurde die F-4F Phantom 1973 eingeführt. Die ersten von insgesamt 175 Jets landeten am 31. August auf deutschem Boden und ersetzten nach und nach den F-104 Starfighter. Anfangs war die Phantom nur als Übergangslösung für höchstens 15 Jahre geplant. Letztlich wurden daraus vier Jahrzehnte, in denen das liebevoll „Luftverteidigungsdiesel“ genannte Jagdflugzeug mit der markanten Abgasfahne 279.000 Flugstunden in der Luftwaffe zusammenflog.
Die in Wittmund stationierten Phantoms sorgten im Rahmen der NATO Luftverteidigung mit der „Quick Reaction Alert“ Alarmrotte rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für die Sicherheit des deutschen Luftraums.
     

       

       



Unter den 60 ausgestellten Flugzeugen waren zahlreiche sehenswerte und sonderlackierte Gastmaschinen. Zwei Belgische F-16, zwei spanische F- 18, ein britischer Tornado, ein Hawk-Trainer der RAF, zwei deutsche Tornados, ein Eurofighter, zwei Phantoms der WTD 61 aus Manching, BO 105, CH 53 und EC 135 Hubschrauber des Heeres, PC-3 Orion der Marineflieger, eine Transall…neben diesen mehr oder weniger modernen Typen waren auch Oldtimer zur Verabschiedung der Phantom eingetroffen.

     

Ein Hingucker am Freitag war der mehrmals durchgeführte Kartuschenstart einer F-4F. Dabei wird eine Kartusche gezündet, die heisse Luft in Richtung der Triebwerksschaufeln bläst um diese schnell „auf Touren“ zu bringen. Ein absolut sehenswertes Spektakel.


       

Am Samstag waren bei zusehend besser werdendem Wetter zwei Blöcke mit Flugprogramm geplant. Den Anfang machten eine Boeing Stearman, Bücker Jungmann und eine Yak-52. Der Fokker Dr. I Nachbau musste aufgrund des starken Seitenwindes leider am Boden bleiben. Auch die übrigen Teilnehmer hatten sichtlich mit dem heftigen Seitenwind zu kämpfen, meisterten diese anspruchsvolle Fliegerei insbesondere beim Start und bei der Landung jedoch gut.


       

       

       

   

Am Nachmittag war dann der Höhepunkt des Tags der offenen Tür erreicht. Nach einer Vorführung der A-4 Skyhawk, die als Zieldarstellungsflugzeug verwendet wird, standen die letzten Flüge der F-4F Phantom II auf dem Programm
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Die sonderlackierte Phantom mit dem taktischen Kennzeichen 37+01 machte, gefolgt von drei weiteren Phantoms, den Anfang. Die 37+01 war der erste Jet, der im August 1973 in Wittmund landete. Sie erhielt eine sehr gelungene Lackierung und wird als Ausstellungsstück dem JG 71 „R“ erhalten bleiben. Insgesamt waren drei Phantoms mit speziellen Lackierungen versehen worden. Neben der „bunten“ 37+01 trugen die 38+10 und 38+33 mit den jeweils zu damaligen Einsatzzeiten vorgesehenen Normanstrichen. Die 38+33 musste wegen technischer Probleme leider am Boden bleiben.


       

       

Nach gemeinsamen Überflügen und touch and goes der vier F-4F Phantom nahmen zwei von ihnen das Nachfolgemuster, den Eurofighter, in der Luft in Empfang und geleiteten diesen künftig in Wittmund fliegenden Typ zum Flughafen. Auch die beiden Eurofighter machten jeweils ein touch and go.

       

       


Schon während ihrer Landung bahnte sich dann der historische Moment der letzten Phantom Flüge an. Geflogen von Oberstleutnant Alex Berk mit dem scheidenden Geschwaderkommodore Oberst Gerhard Roubal als Backseater zeigte sich die auffallend stilvoll lackierte Phantom von ihrer besten Seite. Passend zu den Flugvorführungen war zwischenzeitlich die Wolkendecke aufgerissen.


       

So verabschiedete sich die Phantom bei Sonnenschein von den 130.000 Besuchern auf dem Fliegerhorst. Touch and goes mit Nachbrenner gefolgt von dynamischem Aufsteigen gehörten dabei einfach dazu. Es war immerhin das letzte Mal, dass man die Silhouette und den Klang der Phantom hierzulande erleben kann. Untermalt mit passender Musik zog sie ihre letzten Bahnen am Himmel über Deutschland. Ein gelungen inszenierter, wenn auch wehmütiger, historischer Moment!


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